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Claas Relotius und Marie Sophie Hingst - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Es sind zwei tragische Figuren, welche die Schlagzeilen der letzen Monate bestimmten, zwei Personen, die aus keinem erkennbaren Grund Dinge erfunden und sich in ihre Erfindungen hinein gesteigert haben, bis sie nicht mehr herauskamen. Hingst hat vermutlich Suizid begangen. Relotius ist aus der Öffentlichkeit verschwunden, beruflich wie persönlich ruiniert und niemand weiß, ob er jemals wieder einen Fuß auf den Boden bekommen wird. Gefressen von den Medien Auffällig ist vor allem, wie sehr die Medien-Maschine auf Skandale ausgelegt ist. Relotius selbst hätte aus seinem Fall, ginge es nicht um ihn selbst, eine wunderbare Geschichte machen können. Stattdessen schreiben jetzt Andere über ihn. So mancher Medienmensch wird sich schon aus reiner Eifersucht an ihm abgearbeitet haben, diesem jungen Talent, das schon mit 30 mehr Preise gewonnen hat als manche Journalisten in ihrem ganzen Leben. Wie viel Häme wohl in den diversen Artikeln verarbeitet wurde, wie viele Leute haben sich wohl heiml…

Warum die Kampagnen #MeTwo und #KaumZuGlauben Quatsch sind

Ich bin verschiedentlich aufgefordert worden, mich an der #metwo-Kampagne zu beteiligen. Auch bei der Kampagne #kaumzuglauben der Behindertenverbände letztes Jahr sollte ich mich beteiligen. Als Doppel-Rolle - Ausländer und behindert, ist man natürlich häufiger Problemen ausgesetzt. Trotzdem halte ich diese Kampagnen nicht für positiv und werde mich an solchen und ähnlichen Kampagnen nie beteiligen. Einige Kritiker werden mich aufgrund dieses Textes als Behindertenfeindlich oder Rassisten bezeichnen. Denen schlage ich vor, sich Fotos von mir im Internet anzuschauen. Und ich leide auch nicht an einer Form des Stockholm-Syndroms. Ich mache mich nicht mit Leuten gemein, die anderen Menschen gegenüber illiberal sind. Das Gegenteil ist richtig: Ich entdecke mangelnden Liberalismus in unseren Reihen und kann mich deshalb mit der Kritik und den Leuten, die sie vorbringen oft nicht identifizieren. Dabei geht es keinesfalls darum, Rassismus oder Rassismus-Erfahrungen zu verharmlosen. Rassist…

Falsche Infos über Blinde bei der Kölnischen Rundschau

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Neulich wurde ich auf einen Artikel in der Kölnischen Rundschau aufmerksam, in dem selbige Fake-News über Blinde und Blindnhunde verbreitet. Die Überschrift "„Mit Hund wäre das nicht passiert!“ Blinder von Elektroauto überrollt und eingeklemmt" suggeiert, ein Blindenhund könnte vor Elektro-Autos schützen. Das ist Quatsch. Hunde sind wie alle Tiere und die meisten Menschen nicht auf das übliche Tempo in der modernen Welt eingestellt: Selbst Fahrräder sind eine Herausforderung, Autos ohnehin. Das ist der Hauptgrund, warum so viele Haus- und Wildtiere im Autoverkehr sterben. Auch freilaufende Hunde werden häufig von Fahrrädern angefahren. Der Artikel suggiert, dass der Blinde schuld sei, weil er keinen Hund dabei hatte. Dabei wäre es in der Verantwortung des Autofahrers, der durch das lautlose Elektroauto zusätzlich aufmerksam sein sollte. Die Autorin teilte ihren Artikel in der geschlossenen Facebgruppe "Blinde und Sehbehinderte zum Austauschen und Treffen. Dort wurd…

Muss man als Behinderte links sein? Oder warum ich keine Linke bin

Die meisten Behinderten-Aktivisten sind links. Wie so oft sind aber die meisten Behinderten eher konservativ bis rechts, der Anteil der AfD-Wähler ist teils höher als bei der Durchschnittsbevölkerung. Ich selbst hatte jahrelang eine starke Verbindung zur Linken, hielt mich sogar selbst dafür, bin heute aber davon abgekommen. Die Linken mögen Behinderte, nicht den Behinderten Irgendwer sagte mal, die Linke kämpft für die Arbeiter, mag aber den Arbeiter nicht. Der Arbeiter mit den schmutzigen Fingernägeln, dem Schweißgeruch und der schlechten Rasur würde die Salon-Linken eher anekeln. Das hat sich bis heute nicht geändert. Was den Lebensstil angeht, sind Linke fast immer besser gestellt als Rechte. Linke sind zumeist Akademiker in höheren Positionen, während Rechte eher aus dem Unternehmertum oder dem Mittelstand kommen. Linke haben keine behinderten Freunde. Sie sind eher mit ihresgleichen befreundet, können aber mit Behinderten nichts anfangen. Die Ausnahme sind vielleicht die Leute…

Fake-News bei Vice? Blinde Eltern und sehende Kinder

Eine Autorin schreibt unter dem Titel "Wie es ist, als Sehende in einer blinden Familie aufzuwachsen" einen merkwürdig anmutenden Artikel. Der Artikel enthält leider einige fragwürdige Aussagen, die ihn als Halb-Fake erscheinen lassen, man hat den Eindruck, die Autorin wollte ihn durch Halb-Wahrheiten interessanter erscheinen lassen. 1. Sie schreibt, sie habe erst im Kindergarten bemerkt, dass Andere sehen, was sie tut. Das dürfte aber für Einzelkinder noraml sein, viele merken erst im Kindergarten, wie sie sich in Gruppen korrekt verhalten, hat also nichts mit Blindheit zu tun. 2. Die Kinder haben sie in der Schule wegen ihrer blinden Eltern gehänselt. Hänseleien sind allerdings in der Schule normal, wenn nicht wegen der Eltern, dann halt wegen was Anderem. Vielleicht sollte sie mal die Kinder fragen, welche die Kleidung ihrer älteren Geschwister auftragen müssen. 3. Sie behauptet, erst in der MIttelstufe gelernt zu haben, Blickkontakt aufzubauen. Das halte ich für Unsinn…

Das Unbehagen an der Behinderten-Kultur

Der Behinderten-Aktivismus hat in den letzten Jahren einerseits an Fahrt aufgenommen. Subjektiv wurde nie so viel über Behinderung und Inklusion geredet, wurde nie so viel über behinderte Menschen geschrieben und wurden ihre Probleme nie so stark thematisiert wie heute. Andererseits stehen wir heute meiner Ansicht nach an einem Wendepunkt. Wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung wir wollen. Als Enfant Terrible der Blinden bleibt mir wohl die Aufgabe überlassen, den Finger in die offene Wunde zu legen. Der Pseudo-Aktivismus auf Twitter und Co. Das Phänomen der Filterblase ist schon lange bekannt und hat sich durch Internet und Web 2.0 lediglich verschärft. So dienen Tweets und Retweets weniger dem Aktivismus als vielmehr der Selbstpositionierung und der Selbstdarstellung. Man möchte zeigen, wie progressiv und liberal man ist. Dass man selbst keine Schwulen, Migranten oder Behinderten im freundeskreis hat - und auch nicht haben möchte - was solls? Es verschafft eben ein gutes G…

Alles Scheiße - das ZDF diskriminiert Blinde

Dass Hundekot ein Politikum sein kann, ist wohl nicht neu. Doch im ZDF glaubt man, daraus eine große Story machen zu können. Ganz nebenbei schadet man damit der Inklusion blinder Menschen. David hat nicht immer recht Bei so einer Story läuft jedem Journalisten das Wasser im Mund zusammen: Auf der einen Seite die hilflose blinde Frau, auf der anderen Seite die böse Mega-Behörde, welche die blinde Person diskriminiert. Und dann auch noch wegen so einem banalen Thema wie Hundekot. Nun ist zunächst nahe liegend, dass blinde Menschen keinen Hundekot wegräumen können. Das ist aber durchaus falsch: In der Regel soll der Hund sein Geschäft an Orten verrichten, wo das kein Problem ist, etwa im Wald. Ein Hund, der auf den Bürgersteig macht, ist entweder schlecht erzogen oder krank. Nun mag es selten vorkommen, dass der Hund einfach irgendwo hin macht und der Blinde das nicht merkt. In diesem Fall ist das aber anders: Die junge Dame ist durchaus angesprochen und darauf hingewiesen worden. Sie …