Aussortiert - Wie ernst meint es die Deutsche Bahn mit der Barrierefreiheit ihrer Webseiten?

Neulich habe ich mich bei der Deutschen Bahn als Senior-Referentin für Barrierefreiheit beworben und möchte über meine negativen Erfahrungen berichten. Das wirft auch ein Schlaglicht darauf, wie ernst es die Bahn mit der Barrierefreiheit ihrer Webseiten und Apps meint. Die Absage kam schon einen Tag nach der Bewerbung, rekordverdächtig für einen Groß-Konzern für die Deutsche Bahn. Ich bezweiffle, ob meine Bewerbung überhaupt gelesen wurde. Möglicherweise bin ich wegen des ausländischen Namens, wegen der sichtbaren Behinderung oder meiner Herkunft aus einem Arbeiter-Haushalt abgelehnt worden. Leider werde ich das nie erfahren. Wenn man so schnell abgelehnt wird, heißt das in der Regel, dass die Bewerbung gar nicht an die Fachabteilung ging, sondern von einem Personaler aussortiert wurde. Bedenkt man auch noch, dass wir mitten in einer Corona-Situation stecken, die viel Energie kostet, wird das um so deutlicher. Oder ist die Stelle gar nur billige PR und man will sie gar nicht besetzen? Auch das werden wir nie erfahren. Aber anscheinend möchte man die Stelle nicht mit einer Person besetzen, die kompetent in Sachen Barrierefreiheit , selbst behindert und gut in die Szene vernetzt ist. Falls die Stelle existiert, wird sie vermutlich mit einem jungen Marketing-Digitalisierungs-Fuzzi besetzt, der zwar keine Ahnung von Barrierefreiheit hat, aber dafür die neuesten Trends im Projektmanagement-Gedöns kennt, sei es agil, Design Thinking oder was auch immer den Leuten gerade einfällt. Darauf deutet auch die Stellenauschschreibung hin, in der alles mögliche verlangt wird, nur keine Erfahrung in digitaler Barrierefreiheit. Lustigerweise wird in der Ausschreibung auch gar nicht nach Erfahrungen mit Barrierefreiheit gefragt. Auch ein Satz wie "BEhinderte sind besonders zur Bewerbung aufgefordert" fehlt. Auch das ein Zeichen dafür, dass man keine Behinderten oder Barrierefreiheits-Erfahrenen haben möchte. Leider passt das in das große Bild: Negative Erfahrungen mit der Bahn gehören für uns behinderte Menschen zum Alltag: Ich werde auf gut einer von drei FAhrten von Schaffnern dumm angemacht, wahrscheinlich denken sie, mit den Krüppeln kann man es ja machen. Die Informationspolitik etwa bei gesperrten Bahnhöfen und Ausfällen ist eine reine Katastrophe. Die Apps und die Website weist regelmäßig schwere Fehler bei der Barrierefreiheit auf, die deren Nutzung manchmal verunmöglichen. Die Bahn reagiert entweder gar nicht oder wiegelt ab. Ein gutes Beispiel ist das Beerbungsportal selbst: Dort steht als Fehlermeldung: "Füllen Sie das rot markierte Feld korrekt aus"Man lernt schon im Barrierefreiheits-Kindergarten, dass man keine Information über Farbe oder Farbveränderung vermittelt, der Bahn ist das egal, Hauptsache schick.

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