Deutscher Bundestag: Sensibilisierung für Barrierefreiheit mehr als überfällig

Der Deutsche Bundestag hat eine Sensiblisierung zur digitalen Barrierefreiheit ausgeschrieben. Das diese mehr als nötig ist, zeigt ein Blick in die Ausschreibungs-Unterlagen. Diese Unterlagen sowie die diversen Antworten auf Anfragen von Leuten, die sich an der Ausschreibung beteiligen wollen, sind nicht einmal mit den Möglichkeiten von Word, geschweige denn einem Profitool barrierefrei gemacht worden. Der Bundestag hat wohl noch nicht von der BITV, dem BGG und der Richtlinie 2102 gehört. Nun ja, vielleicht kriegen sie es nach der Sensibilisierung auf die Reihe. Zweiter Fail: Es wird nicht gefordert, dass der Dozent/die Dozentein - oder zumindest eine Person aus einem Dozenten-Team - eine Behinderung hat. Einmal mehr werden wahrscheinlich Nicht-Behinderte erzählen, was Behinderte brauchen, willkommen in in den 1950ern. Dritter Fail: Die Schulung soll vor Ort in Berlin stattfinden. Dazu ist gut zu wissen, dass der Bundestag bereits im Frühjahr eine Ausschreibung zum gleichen Thema hatte und diese aufgrund von Corona zurückgezogen hat. Anscheined ist in der Bundestags-Verwaltung nicht angekommen, dass die Situation bis ins Frühjahr 2021 hinein schwierig bleiben wird. Der Bundestag hatte auch erruiert, ob man die Veranstaltung nicht digital durchführen könnte. Anscheinend nicht, es ist wohl besser, ein Dutzend Leute aus unterschiedlichen Abteilungen sowie ein bis zwei externe Personen in einem Raum zusammenzurufen, in welchem sie drei gemeinsame Stunden verbringen. Alle 20 Minuten wird dann wohl gelüftet. Die Bundestags-Verwaltung offenbart vor allem eine elementare Ahnungslosigkeit und ein Desinteresse an einer fairen Ausschreibung: Die Ausschreibung und die Corona-Situation begünstigen Leute, die entweder aus Berlin kommen oder motorisiert sind. Wer mit den Öffis anreisen muss, riskiert einfach nur, sich Corona einzufangen. Schade Bundestag, man hat einmal mehr eine Chance zur Inklusion und Barrierefreiheit verschenkt.

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